Arbeitslast vom Fernstudium Teil 2
Vor circa elf Monaten habe ich über die Arbeitslast von Fernstudium geschrieben. Inzwischen mache ich Level 2 Kurse, die merklich anspruchsvoller sind. Das wirkt sich sich auch auf die aufgewendete Zeit und Kraft auswirkt.
Sofern ich nur einen Kurs habe ist meine Arbeitslast von Level 2 Kursen bei gut 10 Stunden pro Woche. Bei Doppelkursen, wie ich sie von Februar bis Juni haben, sind 20 Stunden realistisch. Das ist erstmal kein grosser Unterschied zum Zustand von vor 11 Monaten. Doch es ist inzwischen ein qualitativer Unterschied da.
Konnte man bei Level 1 Kursen seine Materialen noch mal eben zwischendurch abends durchlesen, ist das jetzt nicht mehr so gut möglich. Bei mir ist es so, dass ich fast eine Stunde brauche bis ich wieder richtig im Thema drin bin. Dann bleibe ich nach Möglichkeit 4 bis 6 Stunden an diesem Kurs dabei. Beim M263 zum Beispiel ist die zweite Hälfte des Kurses Mathematik, Logik und theoretische Informatik. Das sind vielfach Dinge, die man nicht lesen kann und sie sofort versteht. Häufig wird man andere Quellen (nein, nicht wikipedia) zu Rate ziehen müssen oder sogar Bücher ausleihen. Boshaft formuliert: Man muss jetzt mal etwas tun für den Abschluss.
Bei Doppelkursen lerne ich einen kompletten Tag in der Woche und den ganzen Samstag. Das ist nur möglich, weil ich mit meinem Arbeitgeber eine 4 Tage Woche vereinbaren konnte. Nur so habe ich einen Tag in der Woche wirklich frei – den Sonntag. Trotzdem kommt das Sozialleben praktisch zum Erliegen.
Mit Doppelkursen wie ich sie jetzt mache, schaffe ich 60 Punkte pro Jahr und bin dann nach 6 Jahren fertig. Das könnte man beschleunigen und ich weiss von Anbietern die einen Bachelor in vier Jahren anbieten. Ich könnte das nicht. Fünf Monate im Jahr kein Sozialleben ist machbar, weil der Rest des Jahres wieder besser ist. Aber 4 Jahr lang kein Sozialleben – das ist grausam.
OOP Java Programmierung macht richtig Spass
Der Kurs M255 wird immer mehr zu meinem persönlichem Lieblingskurs. Der Kurs ist grossartig strukturiert, die Tutoren beantworten im neuen Moodle Forum fleissig alle Fragen und Java ist toll.
Ich hatte vor Jahren ein knapp zweijähriges Intermezzo mit ASP.Net (C#) und dabei habe ich viel über OOP gelernt. Irgendwann bin ich zu PHP, genauer zu TYPO3, gelangt. Erst bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich mit PHP5 auf den OOP Weg zurückgefunden.
M255 ist also ein grosser Refresher für mich, der dazu die Möglichkeiten von Java eindrucksvoll vor Augen führt. Ich habe so viel Freude am Kurs, dass ich meist dem Zeitplan drei bis vier Wochen voraus bin. Ich hoffe das bleibt so und auch die Ergebnisse vom TMA sind entsprechend.
Der Kreis schliesst sich
In Unit 10 habe ich mich ganz übel quälen müssen. Doch jetzt in Unit 13 und Unit 14 wird klar, wofür das alles gut war. Es hilft dabei Rekursionen aufzuspüren und zu programmieren. Bisher gab es für mich nie einen einfachen Weg rekursive Methoden zu schreiben, aber jetzt ist es wirklich simpel. Man muss lediglich das Recurrence System finden und das dann programmieren. Einmal begriffen ist das Auffinden eines Recurrence Systems recht naheliegend.
In diesem Fall thumbs up für den sehr guten Praxisbezug.
Beobachtungen im Kursforum für M263
Im Kursforum für M263 ist es sehr still geworden. Seitdem wir an Unit 9 und Unit 10 sind, sind die meisten mit sich selbst beschäftigt.
Sporadische Gefühlsausbrüche im Forum zeigen, dass die Lernkurve sehr steil nach oben ging. Die Gefühlsausbrüche reichen von Angst vor Totalversagen, über verzweifelte Hilfeschreie bis hin zur Resignation einzelner. Und die die schweigen oder nur ganz selten schreiben mühen sich sicher durch die Materialien, die weiterhin auf hohem Niveau bleiben.
Nach dem Nightmare Schwierigkeitsgrad der letzten Unit, ist diesmal (Unit 11) für zwei Wochen das Thema Relationale Datenbanken dran. Obwohl weniger schwierig, sind die Themen für zwei Wochen auch recht ordentlich. Struktur und Keys von relational schemes und natürlich Normalformen.
Unit 10 bedeutet Skill Level “Nightmare!”
Wer das gut alte Doom kennt, weiss dass man es auf Skill level ”Nightmare!” spielen konnte. Das war so schwer, dass man quasi sofort wieder sein digitales Leben beendete.
Ähnlich schwer ist die Unit 10, durch die ich mich gerade gekämpft habe. Es ist zwar mehrfach darauf hingewiesen, dass der zweite Teil des Kurses (Unit 9 bis 16) schwer wird, aber Unit 10 hat einfach alles getoppt. Im Normalfall brauche ich eine Woche pro Unit, aber für diese Unit habe ich vier Wochen gebraucht. Zu allem Überfluss fragen über ein Drittel der nächsten TMA Aufgaben eben diese Unit ab. – Ähnlich wie beim Gamen konnte man sich immer nur langsam vortasten und beim nach dem vollständigen Versagen bei den Exercises wieder von vorn anfangen.
Die Unit reisst folgende drei Hauptthemen an: Quatification, Boolean algebra und rules of inference. Jedem dieser Themen könnte ein eigener Kurs gewidment werden und das sehen auch viel Mitstudenten so. Unser Kursforum hat quasi Hochwasser vom vielen Rumgeheule. – Das ist eben ein Studium und kein Wochenendkurs Webseiten-Basteln. Das muss auch mal ordentlich schwer sein, finde ich.
Doch jetzt, nachdem alles geschafft ist und Schwierigkeitsgrad Nightmare! durchgespielt ist, kann ich mich erschöpft zurücklehnen und eine Folge Lost schauen.
Start mit vielen Neuerungen
Seit letzter Woche bin ich am meinem neuen Kurs M255 mit dem Titel Object-Oriented Programming with Java. Es ist wiederum ein 30 Punkte Kurs, bei dem ich im Oktober eine Abschlussarbeit in Zürich unter Aufsicht schreiben muss. Ich habe soweit zwei der 16 Units gemacht und bin sehr positiv überrascht. Begrifflichkeiten werden sehr gut erklärt und man sitzt quasi ständig vor dem PC und programmiert.
Der Kurs kam in einem knapp 4 Kilo schwerem Paket und enthielt alle Kursunterlagen. Alle bisherigen Kurse wurden in zwei Lieferungen gesplittet. Das Design der einzelnen Booklets erinnert an die ersten Techno Videos aus den 90er Jahren. Irgendwelche 3D Objekte, die einer gerenderten Landschaft rumfliegen. Die Kurssoftware sollte man sich tatsächlich komplett auf der Webseite der OU herunterladen – ein Novum. Ebenso neu ist der Einsatz von moodle für Forum, Wiki und TMA Abgabe. Etwas verspätet, aber mit grosser Sicherheit überrollt nun der ganze Web 2.0 Krams auch die OU. – Mir gefällt`s.
Die Erklärungen für objekt-orientierte Programmierung sind sehr gut und bei weitem verständlicher als die diversen Bücher, die ich bis jetzt dazu gelesen haben. Java wird mit lustigen Retro Fröschen und Bankkonten erklärt. Somit bekommen auch absoluten Novizen einen guten Einstieg.
MS Word Unicode Symbole
Für mathematische Sonderzeichen (∧,∨,¬,⇒,⇔, ∀, ∃, ≃, ⊃, ⊇, ∈, ⋂, ∫, usw.) ist Word nicht besonders gut geeignet. Doch muss ich die Hausarbeiten damit machen und bin auf eine sehr gute Liste aller Word Sonderzeichen bzw. deren Unicode Symbole gestossen.
MS Word Unicode Symbol Reference
Echte Mitstudenten treffen tut gut
Beim Fernstudium hat man sehr wenig direkten Kontakt zu seinen Mitstudenten; vor allen Dingen, wenn die meisten davon ausserhalb des eigenen Landes leben. Zwar tut die Open University einiges dafür, dass man sich in Foren digital unterhalten kann, aber Fernstudium heisst trotzdem viel Zeit allein verbringen.
Seit letztem Jahr versuche ich daher regelmässig – ein Mal pro Monat – zum OUSA-Treffen in meiner Region zu gehen. OUSA ist die Open University Student Association, in der die Studenten der OU organisiert sind. Dort sind immer eine Hand voll Leute anzutreffen, mit denen man sich austauschen kann. Die meisten haben ähnliche Sorgen wie man selbst.
Die Treffen finden immer in einem lockeren Rahmen am Abend in einem schönem Restaurant statt. Zwei Stunden Zeit bringe ich im Regelfall mit und das ist gut investierte Zeit. Manchmal fühlt man sich doch etwas irre neben einem normalen Job noch eine Hochschulstudium zu machen. – Es ist gut zu sehen, dass man nicht der einzige Irre ist.
A172 – Abgeschlossen
Obwohl ich den A172 nur zum Ausbau meiner Schreibfertigkeiten belegt habe, hat er mich doch ordentlich in Anspruch genommen.
Der Kurs besteht aus fünf Blöcken, die einen auf den finalen TMA hinführen. Dieser TMA ist ein Essay zu einer von drei Fragen. Zur Beantwortung der Frage muss man zwei historische Quellen (aus einer Vorauswahl) hinzuziehen. Zudem empfiehlt es sich wirklich viel über das Viktorianisch England zu lesen, denn ansonsten hat man mit den Quellen wirklich seine Nöte.
Die angedachten 8 bis 10 Stunden pro Woche habe ich regelmässig überschritten. In den ersten Wochen gab es viele historische Quellen (Bibliothek lässt grüssen) zu lesen; ohne diese hat man wirklich Mühe. In den kommenden Wochen fängt man an eine Argumentation aufzubauen und erste Drafts zu schreiben. Im Schnitt habe ich 8 Stunden pro Draft benötigt und dann nochmal die Zeit (3 bis 4 Stunden) um die Kurstexte zu lesen.
Nach drei Drafts stand mein finaler Essay und der sieht mal richtig akademisch aus – mit zig Fussnoten und einem langen Quellenverzeichnis. Den habe Essay habe ich als mein letzter TMA von A172 eben abgegeben und bin erleichtert.
Zusammenfassung vom Kurs: Viel Arbeit, viel gelernt, hoher Nutzen und absolut empfehlenswert.
Raider, der Pausensnack ist zurück …
… aber nur kurz in einer limitierten “Auflage”. An alle k Kiosken in der Schweiz gibt es im Moment wieder Raider und ich habe gleich zugeschlagen.

Lars Händler, Winterthur